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Seit 2007 veranstaltet das Handelsblatt gemeinsam mit der Wissensfabrik Deutschland den Gründerwettbewerb WECONOMY. Ausgezeichnet werden junge Unternehmen, die innovative Ideen in einem Geschäftsmodell verwirklichen wollen. Am letzten September-Wochenende folgten wir als einer der Gewinner-Teams des diesjährigen Wettbewerbs der Einladung, um uns gemeinsam mit Unternehmern und Top Managern in Baden-Baden auszutauschen.

Hier ein kurzer Rückblick.
weconomy, Baden-Baden
Jedes Gründerteam hatte im großen Saal des Dorint-Hotels einen eigenen Tisch, wo man im Rahmen von sechs Kontaktgesprächen à 20 Minuten und vier Intensivgesprächen à 45 Minuten Gelegenheit hatte, das Gründungsvorhaben und seine Fragen einzubringen. Dieses straffe Programm wurde durch ein Mittag- und Abendessen im Hotel ergänzt.
Der allererste Eindruck, der sich im übrigen durch alle Gespräche durchzog: Hohe Disziplin, gute Vorbereitung, enge Taktung. Sekundärtugenden, ohne die man in Top-Management wohl schnell verloren wäre. Die nächsten Eindrücke: Alle Gesprächspartner können blitzschnell umschalten. Von einem behutsamen Annähern und angenehmen Plaudern während des Relationship-Building hin zu einem hochkonzentrierten Frage-Antwort-Spiel, in der durch direkte Fragen geführt wird und klare Antworten erwartet werden.

Nach einer Begrüßung und Vorstellungsrunde begann unsere Gesprächsreihe mit Frau Margret Suckale, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin bei BASF sowie Vorsitzende des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie und der Frage, wie sinnvolle Personalgewinnungskonzepte in der Start- vs. Wachstumsphase aussehen könnten. Und welchen Effekt ein guter Unternehmenssitz auf die Vertrauensbildung haben kann. Darüber hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgedacht. Werden wir aber.

Mit Herrn Dr. Jochen Keysberg, Vorstandsmitglied der Bilfinger SE konnten wir einen Exkurs in die Baubranche durchführen und am Beispiel der Bilfinger SE diskutieren, welche Herausforderungen im Management von tausenden Geschäftsbeziehungen existieren und welche Informationen zum Gelingen serviceorientierter Geschäftsmodelle beitragen können. Spannend, weil es bei diesen Geschäftsbeziehungen jeweils um komplexe Projekte handelt, wo viel Wissen zugreifbar sein muss.

Von der Baubranche ging es in die Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung mit Herrn Marlinghaus, der sich als Partner bei KPMG mit dem Thema Supply Chain Management befasst. Hier konnten wir anknüpfen an dessen Vorstellung seines neu verfassten Buches, in dem es unter anderem über den Mega-Trend Big Data ging. So ging es schnell in einen fachlichen Diskurs über die neuen Möglichkeiten zur Wirtschaftsprüfung, wenn interne Daten zu Unternehmen mit externen Kontextinformationen angereichert werden, um Probleme frühzeitiger zu erkennen und die Zahlen besser interpretieren zu können. Hier scheint noch viel Potenzial brach zu liegen.

weconomy, Baden-Baden Als nächster Gesprächspartner besuchte uns Herr Prof. Dr. Kormann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der J. M. Voith AG, heutiges Mitglied des Aufsichtsrates der Bilfinger SE sowie Honorarprofessor an der Universität Leipzig und am Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Eine Menge Titel sind im Spiel und doch blieb ein prägnanter Satz während unseres Gespräches hängen, der so humorig er auch erscheint, nicht ohne Grund von Herrn Kormann platziert wurde: „Beim Emmentaler häufiger mal auf den Käse statt auf die Löcher schauen.“ Gemeint war, dass wir trotz aller noch zu lösenden Aufgaben betonen sollten, was bereits alles funktioniert und Nutzen stiften kann. Das vergisst man in einem Startup angesichts der vielen gleichzeitigen Baustellen gerne mal.

Mit Herrn Prof. Dr. Schwenker, Aufsichtsratsvorsitzender von Roland Berger, sprachen wir über unterschiedliche Wachstumsstrategien für Implisense, die in einer klaren Handlungsempfehlung seitens Berger mündeten. Aber die ist vertraulich :-).

Beim Mittagessen hatten wir Gelegenheit, mit Herrn Hambrecht, ehemals Vorstandschef der BASF sowie Kollegen vom Handelsblatt Verlag über den Umgang mit den Medien zu sprechen. Das nicht immer einfache Verhältnis zwischen Medien und Unternehmen wurde in seinen vielfältigen Facetten anschaulich demonstriert.

Mit Frau Wodtke, Unternehmerin im Bereich Pelletheizungen haben wir uns über das Unternehmertum unterhalten, welches in der nüchternen Einschätzung endete, dass man als Unternehmer auch bei aller Arbeitsteilung am Ende dennoch überall involviert bleibt.

weconomy, Baden-BadenEin besonders eindrückliches Gespräch führten wir abschließend mit Herrn Dr. Specht, Mitglied des Vorstands bei der Würth Gruppe. Hier erlebten wir hautnah die Vertriebskultur der Würth Gruppe. Die Essentials sind: Wenn etwas Verkaufbares vorliegt, sollte man das auch umgehend vertreiben, die weitere Entwicklung steuert der zahlende Kunde. Den Vertrieb auf keinen Fall outsourcen, da sonst der Kundenkontakt und das Wissen über die Probleme vor Ort verloren gehen. Also: Raus zum Kunden und schauen, was geht.

Das Abendprogramm bestritten im wesentlichen die geladenen Alumnis der letzten Jahre des Wettbewerbs. Diese Alumnis hatten schon die nächsten Schritte im Unternehmertum absolviert und konnten ihre Erfahrungen in der Investorensuche, IP-Regelung und im Management von Wachstum wie auch Konsolidierung mitgeben. Was uns hier besonders gut gefiel, war der hohe Anteil von technologieorientierten GründerInnen. Von dieser Gruppe konnten wir besonders viele Erfahrungswerte und Kontakte erhalten.

Unser Fazit:
Es gibt aus guten Gründen mittlerweile viele Formate, die in kurzer Zeit viele unterschiedliche Personen aus der Unternehmer- und Gründerszene zusammenbringen, um Wissen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen, die zu einem späteren Zeitpunkt hilfreich sein könnten. Wissen scheint auf dem ersten Blick nicht die knappste aller Ressourcen zu sein, aber der Zugang zu implizitem Erfahrungswissen von Wissensträgern und deren mögliche Unterstützung bleibt es. Unser Eindruck ist, dass nur wenige Formate so hochklassig organisiert und besetzt sind, wie Weconomy. Wer also den Wettbewerb um die knappen Plätze nicht scheut, sollte es unbedingt versuchen.

Vielen Dank, dass wir daran teilhaben durften und bis zum nächsten Jahr.

Weconomy 2013, Baden-Baden , Gruppenfoto

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