Basierend auf einer aktuellen Datenerhebung aus unserem Firmenindex zum Stichtag 30.4.2018 haben erst 10.775 Firmen aus Deutschland ihre Datenschutzerklärung hinblicklich der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) angepasst. Die Auswertung deutet darauf hin, dass gerade Kleinstunternehmen mit der Umsetzung der umfangreicheren Anforderungen zu kämpfen haben. Firmen mit Geschäftsmodellen, bei denen Daten und Datenaustausch eine kritische Rolle einnehmen, nutzen dagegen im Vergleich eher die Gelegenheit, ihren Datenschutz proaktiv anzupassen.


Zu Implisense: Das Berliner Start-Up Implisense ist ein bundesweit führender Anbieter im Bereich B2B Lead Generierung. Unsere Text Mining Verfahren analysieren Online Contents zu sämtlichen im Handelsregister geführten und in Deutschland ansässigen Unternehmen. Die gewonnenen Daten werden als strukturierte Eigenschaften den Firmen zugeordnet und ermöglichen es so potenziellen Geschäftspartner, Kunden oder Wettbewerber zu identifizieren, aus einer neuen Perspektive zu bewerten und zu beobachten.


Datenschutzerklärung im Team erarbeiten

Die Datenschutz-Grundverordnung naht und setzt viele Firmen unter Druck. Empfindliche Strafen gekoppelt an Unternehmensumsätze drohen. Gleichzeitig sind die neuen Anforderungen, etwa in den Bereich Dokumentation, Datensicherheit und Transparenz, nicht zu unterschätzen. Nicht selten sitzen Geschäftsführer, Prokurist oder Datenschutzbeauftragter vor nicht endend wollenden Checklisten, erstellen Dokumentationen biblischen Ausmaßes, um dann schlussendlich eine überarbeitete  Datenschutzerklärung von oft weit mehr als 10 Seiten rechtzeitig zur Verfügung zu stellen.

Zu Recht, schließlich ist der faire privatwirtschaftliche Umgang mit personenbezogenen Daten in Zeiten sich drastisch entwickelnder Informationstechnologien ein Thema mit dem Gesellschaft und Gesetzgebung ständig mithalten müssen.

Analyse der Firmen mit DSGVO aktualisierter Datenschutzerklärung

Vor diesem Hintergrund hat Implisense untersucht, wie viele Firmen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits jetzt mit diesem Thema auseinandergesetzt und ihre Datenschutzvereinbarungen aktualisiert haben. Hierfür haben wir die Verbreitung von einschlägigen Signalwörtern – etwa die direkte Bezugnahme auf die nun geltende Europäische Richtlinie, Synonyme (z.B. die Englische Bezeichnung dafür, GDPR, General Data Protection Regulation), und typische Formulierungen – auf Firmenwebsites berechnet. Die Vorkommen der Hinweise wurde dann mit Blick auf weitere Firmeneigenschaften, wie Branchenzugehörigkeit und Größe facettiert, um damit einhergehende Merkmale zu erkennen.

Nur eine von 50 Firmen hat die Datenschutzerklärung angepasst

Selbst bei Beachtung der eventuellen Zusatzaufwände bei der Umsetzung der neuen Verordnung überrascht doch das Ergebnis in seiner Deutlichkeit. Unsere Analyse legt nahe, dass sich gerade einmal bei 10.775 Firmen Hinweise auf eine angepasste Datenschutzerklärung finden. Dies ist umso erstaunlicher bei einer Grundgesamtheit von ca. 593 337 handelsregisterlich erfassten aktiven Unternehmen mit hinreichender Datengrundlage. Dies entspricht ca. 1,8% oder 1 von 50 Firmen.

Betrachtet man die Verteilung dieser Firmen über die Unternehmensgröße lässt sich ein potenzieller Aspekt bereits erahnen. Gerade die kleineren Unternehmen haben mit den neuen Auflagen zu kämpfen. So beträgt der Anteil der Kleinstunternehmen an der Gesamtmenge unseren Schätzungen zufolge ca. 69 %. Bei den Firmen mit DSGVO Verweisen schrumpft dieser auf 61 %. Großunternehmen sind dagegen mit 3 % fast doppelt häufig wie in der Gesamtmenge vertreten. Die nachfolgende Graphik stellt die Größenverteilung von Firmen in der Grundgesamtheit (links) der geschätzten Verteilung von Firmen mit aktualisierten Datenschutzerklärung (rechts) gegenüber.

Grafik DSGVO angepasste Datenschutzerklärung nach Unternehmensgröße und Verteilung aller Firmen nach Größe

Gesamtverteilung nach Unternehmensgröße (links) und DSGVO Update nach Unternehmensgröße (rechts)

Der potenzielle Zusammenhang zwischen Firmengröße und Datenschutzupdate, legt nahe, dass auch bestimmte Branchen und Geschäftsmodelle damit stärker assoziiert werden könnten. Die untere Graphik zeigt Branchen die überproportional häufig bei den Treffern vertreten sind (Top 20 gemäß der Reihenfolge; WZ 2008) sowie deren absoluten Trefferzahl.

Grafik DSGVO Datenschutzerklärung Verteilung nach Branchen

Anzahl der Firmen mit DSGVO aktualisierter Datenschutzerklärung nach Branchen.

Am stärksten überrepräsentiert ist z.B. die IT-Branche (J62). Auf diese entfällt mit 2.732 Treffern auch absolut der Löwenanteil der Firmen mit aktualisierter Datenschutzerklärung. Weitere Branchen mit daten- und kommunikationsintensiven Geschäftsmodellen dominieren die Liste, z.B. IT-Dienstleister (J63), der Handelssektor (G46, G47), Rechtsanwälte (M69), Finanzdienstleister (K64) und Consultingfirmen (M70). Wenn Firmen also ihren Datenschutz aktualisiert haben, dann meist wahrscheinlich nur, weil extrem viele Daten auf Grundlage ihres Geschäftsmodells anfallen. Etwas unerwartet finden sich z.B. das Handwerk (F43), die Elektrotechnik (C26) und die Metallherstellung (C25), sowie der Bildungssektor (P85) darin wieder. 

Exemplarische Treffer zu Firmen mit aktualisierter Datenschutzerklärung aus einer stark vereinfachten Analyse lassen sich direkt auf unserer Plattform Companies and Markets einsehen:

Beispieltreffer DSGVO im Handwerk

Beispieltreffer DSGVO in Elektrotechnik

Beispieltreffer DSGVO in Bildung und Erziehung

Beispieltreffer DSGVO in Metallerzeugnisse

Anhand der Listen mit Beispielfirmen lässt sich etwa schnell erkennen, dass Firmen aus dem Bildungssektor oft Fortbildungsmaßnahmen im Bereich DSGVO anbieten und deswegen diesem Thema zugeordnet werden.

Zur weiteren Exploration dieser Subsegmente laden wir Sie herzlich dazu ein, Implisense Pro kostenlos zu testen. Darin lassen sich die zur Analyse herangezogenen Filter-und Suchkriterien, etwa die Segmentierung nach Größe, abbilden, sowie die gesamten Trefferlisten einsehen und anhand zusätzlicher Kriterien, z.B. Region, weiter eingrenzen. Testen Sie die Funktionen hier.

Fazit

Unsere kleine Analyse zur Ermittlung von Firmen, welche sich bereits mit der DSGVO auseinandergesetzt haben, beruht auf probabilistischen Verfahren und ist damit nicht zwingend repräsentativ. Sie erfasst Firmen, die lediglich mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Hausaufgaben bezüglich der Datenschutz-Grundverordnung bereits erledigt haben.

Zudem kann sie weiter verfeinert werden. Wie das Beispiel mit der Anbietern von Fortbildungen im Bereich DSGVO zeigt, z.B. durch den Ausschluss bestimmter Branchen aus der Analyse. Schließlich stellt sie nicht zwingend fest, dass bestehende Datenschutz-Policies bei Firmen, welche nicht in der Treffermenge lagen, nicht bereits professionell ausgestaltet sind und womöglich nur formell angepasst werden müssen. Die Effekte dieser Einschränkungen können nach unserer Einschätzung nicht die grundlegenden Erkenntnisse der Auswertung in Frage stellen.

Nur ein Bruchteil der Firmen in Deutschland ist wenige Wochen vor Ablauf der Umsetzungsfrist final auf die Datenschutz-Grundverordnung vorbereitet. Es gibt Hinweise, dass es gerade Kleinstunternehmen schwieriger fällt, die Umsetzung zu gewährleisten. Wenn, dann tendieren eher Firmen mit besonders datenintensiven und kommunikationslastigen Geschäftsmodellen dazu, die neuen Datenschutzbestimmungen umzusetzen. Fragt sich, welche Geschäftsmodelle im Zeitalter der Digitalisierung, es sich noch leisten können, nicht im angemessenen Umfang mit Daten zu arbeiten.


Wie steht Ihr Unternehmen in Bezug auf die Umsetzung der DSGVO? Wie viele Ihrer Mitbewerber haben bereits erkennbare Hinweise auf die Umsetzung der neuen Novellierung auf Ihrer Webseite? Unsere freie Rechercheplattform Companies and Markets steht Ihnen zur Beurteilung dieser weiterführenden Fragen hier zur Verfügung.